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Lesen und Schreiben in der Vorschulzeit?

Was können wir tun, um die Kindern den Übergang vom Sprechen zum Erlernen der Schriftsprache zu erleichtern? Welche Fähigkeiten brauchen Kinder, um diesen Übergang erfolgreich zu meisten?

Hier erhalten Sie einen Einblick in die zentralen Bereiche, die dabei eine Rolle spielen. Bitte bedenken Sie: Auffälligkeiten in der frühkindlichen, vorschulischen Entwicklung können ein Hinweis auf spätere Lernprobleme sein. Doch nicht jede Auffälligkeit muss zu einer Lernbeeinträchtigung führen.

Im Folgenden beschreiben wir Fähigkeitsbereiche,

  • die besonders wichtig für den Erwerb der Schriftsprache sind,
  • die bereits in der Vorschulzeit spielerisch gefördert werden können
  • und in denen Kinder, die speziell in diesen Bereichen Schwierigkeiten haben, Unterstützung brauchen.

Sehen, Erkennen, Verstehen

 

Ein Kind kann etwa ab dem 5. Lebensjahr

 

  • Symbole, wie „b“ und „p“ beim gemeinsamen Anschauen klar unterscheiden
  • Veränderungen der Bedeutung von Symbolen durch Drehung und Spiegelung nachvollziehen, z.B. beim Ziffersymbol „3“ und dem Buchstaben „E“
  • Bilder nach Kategorien wie Farben, Formen, Größen ordnen
  • eine Rechts-Links-Orientierung einhalten (kulturell bedingte Lese- und Schreibrichtung)
  • Bilder, Buchstaben, Ziffern, Icons, Logos unterscheiden
  • einfache Muster (z.B. auf Tischdecken, Handtüchern, Fußbodenbelägen) erkennen und vorgezeichnete Muster fortsetzen.

Hören und Formulieren

 

Das Kind

  • unterscheidet Laute in Wörter (Tanne- Kanne)
  • erkennt die unterschiedliche Bedeutung ähnlicher und auch gleich klingender Wörter (Pfanne – Kanne, mehr – Meer)
  • unterscheidet Reime von Nicht-Reimen
  • erkennt „Quatschwörter“ (Manokiru)
  • kann Quatschwörter nachsprechen
  • unterscheidet Wörter und Silben
  • kann Fragen beantworten und Aufforderungen verstehen und umsetzen
  • kann leichte „Zungenbrecher“ nachsprechen (z.B. Rasche rasen auf dem Rasen)

 

Achten Sie auf eine korrekte Aussprache. Diese ist Grundlage für richtiges Schreiben! Wortendungen dürfen nicht  „vernuschelt“ werden.

Sprechen, Erfassen, Erzählen

Das Kind

  • erkennt ähnliche Sätze
  • benennt, ohne lang überlegen zu müssen, (Bild-) Objekte, Symbole und Farben
  • kann zu Bildern kleine Geschichten erzählen und eine Fortsetzung finden
  • verwendet immer mehr neue Wörter

Früh gefördert ist halb gewonnen

 

Spielerische Übungen:

Sehen, Erkennen, Verstehen

 

Material: Papier und Buntstifte

Fragen an das Kind:

„Schau mal, das sind zwei Buchstaben. Dieses ist ein p (Großzügig vormalen) und dieses ein b (vormalen). (Vielleicht kennt das Kind die Namen ja schon. )

Siehst du den Unterschied? Kannst du den Unterschied beschreiben? Kannst du die Buchstaben nachmalen?“

Zeichen Sie ein W und ein M. „Siehst du den Unterschied? Kannst du mir ein W malen?

„Kannst du mir bitte eine rote, blau und grüne Welle malen (malen Sie vor), von links nach rechts?“

„Dieses ist ein eckiges Muster, das ein rundes. Kannst du das eckige Muster genauso weitermalen? Und das runde?

„Welche Farben haben die Bilder? Welches ist das größte, welches das kleinste? Welche sind etwa gleich groß? Welche haben denn die gleiche Farbe?

Spielerische Übungen:

Hören und Formulieren

 

Kann das Kind ein passendes Reimwort finden?

Erkennt es Quatschwörter? Bitte lesen Sie Reime vor und stellen Sie Fragen oder fordern Sie ihr Kind auf passende Reimwörter zu finden.

Beispiele: Hase – Nase, Kopf – Topf

Spielerische Übungen:

Sprechen, Erfassen, Erzählen

 

Zeigen Sie dem Kind eine Bildergeschichte und erfinden Sie einen passenden Satz dazu. Ermuntern Sie das Kind, einen ähnlich aufgebauten Satz zum nächsten Bild zu finden. Kann das Kind selbst ein Schlussbild zur Geschichte malen?

Sprache

Schulerfolg ist maßgeblich abhängig von sprachlichen Fähigkeiten.

Fördern Sie die Sprechfreude Ihres Kindes!

Sprechen Sie viel mit ihm und geben Sie ihm Zeit über Erlebtes zu erzählen.

Lesen Sie ihm täglich vor, z.B. vor dem Schlafengehen, sprechen Sie mit ihm über das Vorgelesene.

Hinweise zu den spielerischen Übungen

Führen Sie die verschiedenen Übungen in einer ruhigen, entspannten Atmosphäre durch. Manches wird dem Kind leicht fallen, anderes nicht. Eine große Bandbreite unterschiedlicher Entwicklungsstände ist vollkommen normal.

Falls Sie den Eindruck gewinnen, dass Ihr Kind in mehreren Bereichen deutlich schwer tut, lassen Sie bitte zunächst abklären, ob das Kind gut hört und gut sieht. Wenn ja, empfiehlt sich eventuell die Durchführung des Bielefelder Screenings zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (BISC).

Elternhaus und Kindergarten finden sicher einen Weg, das Kind in seinen Entwicklungen angemessen zu unterstützen. Diese Unterstützung sollte nicht allein auf mögliche Defizite gerichtet sein, sondern an die Stärken und Vorlieben des Kindes anknüpfen. Nur so ermöglichen Sie dem Kind weiterhin ein freudiges und erfolgreiches Lernen – auch im Bereich der Schriftsprache.

Sanfter Einstieg in das Lesen und Schreiben

Richrik Lesn und SchreiBM Leanen

Welches Kind möchte das nicht? Und welche Eltern freuen sich nicht über die ersten gekritzelten Botschaften und all den Eifer, mit dem sich Ihre Kleinen an die Welt der Großen herantasten? Leider ist es keine Selbstverständlichkeit, dass diese Begeisterung von Dauer ist. Gründe dafür gibt es eine ganze Menge. Eltern und Erzieher können einiges dafür tun, dass diese Wissbegierde anhält und die Bildungsbiografie der Kinder harmonisch verläuft. Vor allem sollten Sie eines bedenken: Das Hineinfinden in die Schriftsprache…

….ist alles andere als ein Kinderspiel.

Was einem Erwachsenen als selbstverständlich erscheinen mag – dass sich Sätze aufteilen, die gesprochen Wörter in lauter einzelne Laute zergliedern und dann auch noch durch irgendwelche Zeichen abbilden lassen -, das alles ist eine Sicht auf Sprache, die für jedes Kind erst einmal einen prinzipiellen Blickwechsel darstellt. Plötzlich muss sich neben dem Inhaltwesentlich um die Form kümmern. Es genügt auf einmal nicht mehr, die Botschaft des Gesprochenen zu verstehen. Jetzt muss sich das Kind gleichzeitig für das Gehörte oder das beim eigenen Sprechen Gespürte interessieren, es  analysieren und unterschiedlichsten Regelhaftigkeiten in Verbindung bringen.

Hat sich der kleine Schreiblehrling auf diesen Blickwechsel eingelassen, geht es freilich erst richtig los. So selbstverständlich und transparent sind diese Regelhaftigkeiten gar nicht, wie sie einem geübten Schreiber erscheinen mögen. Wahrscheinlich erinnern Sie sich kaum mehr an Ihre ersten Gehversuche mit der Schrift und all die Irrungen und Wirrungen, die damit verbunden waren. Das ist eigentlich schade, denn die seinerzeit erbrachte Leistung lässt sich sehen. Sie mussten sich damit anfreunden, dass es eine große Bandbreite gibt, mir der unterschiedliche Laute von den gleichen Zeichen repräsentiert werden (z.B. beten – Betten).

Sie hatten sich damit zu arrangieren, dass ähnlich klingende Laute völlig anders verschriftet werden (z.B. Vater – Sofa). Auch durften Sie sich nicht davon beirren lassen, dass man manche Laute zwar hört, diese aber nicht verschriftet ( /Urzaeit/, /kompt/) und wieder andere überhaupt nicht zu hören sind und dennoch geschrieben werden müssen („Uhrzeit“ oder „beten“> normal gesprochen als /betn/).

Genauso wenig wie Sie seinerzeit können Kinder wissen oder gar hören, dass und wie sich die einzelnen Wörter buchstabieren lassen. Kein Mensch kann akustisch wahrnehmen, dass das „Fenster“ bei uns durch diese sieben Buchstaben repräsentiert wird. Erst mit dem Blick zurück, also durch den Rückbezug vom gewussten Wortbild auf das gesprochene Wort, kann man korrekt buchstabieren. Es gilt also, Kindern auf eine Weise, die sie verstehen können, zu einem selbstverständlichen, souveränen Umgang mit der Schriftsprache zu verhelfen.

Systematisches Fördern oder spielerisches Lernen?

Aus lauter Sorge, man würde Kindern die Lust am Schreiben nehmen, hat man sich hierzulande lange und oft von der Auffassung leiten lassen, es gäbe einen in der natürlichen Entwicklung angelegten Zugang zur Schrift und Erzieher wie Eltern dürfen die Kinder bei ihrem höchst geheimen Kreiseln um keinen Preis stören. Mit dieser verqueren Parteinnahme für die Kinder schwindelt man sich über die objektiven Schwierigkeiten hinweg, die es nun einmal gibt – und verwehrt den Kindern just jene Unterstützung, die sie bräuchten.

Kinder suchen doch nach Regelhaftigkeiten und wollen ernstgenommen werden. Diese Ernsthaftigkeit sollte nicht mit sturem Pauken verwechselt werden, denn Schriftsprache ist durchaus einsehbar, sie hat zum Glück ihre Logik. Dabei gilt es, zwischen dem spielerischen Umgehen mit Sprache und einem allmählichen Verstehen vom Zusammenhang zwischen gesprochener und verschrifteter Sprache die Balance zu halten.

Bei anderen sollte eines bedacht werden: Kinder müssen Fehler machen dürfen, auf welcher Stufe des Schriftspracherwerbs auch immer sie befinden! Wenn gemeinsam mit den Kindern ihr kreatives Herantasten an Sprache als eine echte Leistung und ein Fehler als Informationsquelle über Verstandenes und Nichtverstandenes begriffen wird, ist dies die beste Gewähr dafür, dass ihre ursprüngliche Begeisterung für Bildung erhalten bleibt.

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